Wie berechnen sich Arbeitslosenzahlen und -quoten?

Um Arbeitslosenzahlen und -quoten im Zeitverlauf oder international vergleichen zu können, ist die Verwendung einer einheitlichen Definition notwendig. Sowohl bei der Definition von arbeitslosen Personen als auch bei der Arbeitslosenquote gibt es deutliche Unterschiede zwischen der nationalen und der internationalen Berechnung. Die jeweiligen Zahlen für Österreich finden sich in den folgenden Grafiken.

Anzahl der Arbeitslosen

Nach nationaler Definition beträgt die Anzahl der Arbeitslosen die beim Arbeitsmarktservice (AMS) als arbeitslos gemeldeten Personen. Der Stand zum letzten Monatsende wird jeweils zu Beginn des Monats vom AMS veröffentlicht. Außerdem wird vom AMS die Anzahl der Personen in Schulung ausgewiesen. Wegen der Nachfrage nach aktuelleren Arbeitsmarktzahlen während der COVID‑19-Krise werden zusätzlich auch die wöchentlichen Stände vom Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend (BMAFJ) bekanntgegeben.

Die internationale Definition von Arbeitslosigkeit und Erwerbstätigkeit erfolgt nach dem Konzept der International Labour Organization (ILO). Als arbeitslos gelten hierbei Personen, welche nicht erwerbstätig, jedoch aktiv auf der Suche nach Arbeit sind und eine Arbeitsstelle innerhalb von zwei Wochen antreten können. Erwerbstätig nach ILO-Definition ist man bereits ab einer Stunde Arbeit pro Woche. ArbeitslosengeldbezieherInnen, die daneben geringfügig arbeiten, gelten daher als erwerbstätig.

Dies sind typischerweise weniger Personen als die beim AMS registrierten Arbeitslosen, da beispielsweise manche Saisonarbeitslose nicht aktiv nach Arbeit suchen. Daher sind auch die saisonalen Schwankungen bei der Zahl der Arbeitslosen nach internationaler Definition geringer. Die Erhebung nach ILO‑Kriterien erfolgt für Österreich stichprobenartig im Rahmen der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung durch die Statistik Austria. Die Ergebnisse werden mit einer Verzögerung von rund einem Monat veröffentlicht.

Arbeitslosenquote

Für die Berechnung der Arbeitslosenquote wird die Anzahl der Arbeitslosen zu einem sogenannten Arbeitskräftepotential in Relation gesetzt, welches Erwerbspersonen (erwerbstätig oder arbeitslos) umfasst. In Österreich erfolgt die Erhebung der Erwerbspersonen ebenfalls im Rahmen der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung durch die Statistik Austria.

Auch bei der Arbeitslosenquote gibt es Unterschiede zwischen der Berechnung nach nationaler und internationaler Methode. Bei der Arbeitslosenquote nach nationaler Definition wird der Anteil der beim AMS vorgemerkten Arbeitslosen durch die Summe aus Arbeitslosen und unselbständig Beschäftigten geteilt. Nach internationaler Definition dient als Nenner die Anzahl der Erwerbspersonen (Arbeitslose und Erwerbstätige), welche beispielsweise auch Selbständige umfassen und somit größer sind als das Arbeitskräftepotential nach nationaler Berechnung. Bei der internationalen Methode wird somit eine geringere Anzahl an Arbeitslosen (siehe oben) durch eine größere Anzahl an Erwerbspersonen geteilt, sodass die resultierende Arbeitslosenquote nach internationaler Berechnung niedriger ist als jene nach nationaler Berechnung. Sie weist außerdem geringere saisonale Schwankungen auf.

Aktuelle Entwicklungen

Das AMS veröffentlicht in sogenannten Spezialthemen zum Arbeitsmarkt auch den Stand der vorgemerkten Arbeitslosen im Jahr 2020 im Vergleich zum Jahr 2019. Die Anzahl der vorgemerkten Arbeitslosen ist vom 15. März 2020 bis zum 13. April 2020 um rund 223.105 Personen auf einen historischen Höchststand von 533.621 Personen gestiegen. Nach ersten Lockerungen der Einschränkungen kam es wieder zu einem, teilweise saisonbedingten, Rückgang auf 473.300 vorgemerkte Arbeitslose Ende Mai 2020. Dies bedeutet auch Ende Mai noch 194.352 zusätzliche Arbeitslose im Vergleich zum Mai 2019. Ein Teil des Anstiegs ist auf die um 20.268 Personen geringere Anzahl an SchulungsteilnehmerInnen zurückzuführen. Die Anzahl der arbeitslosen Personen und SchulungsteilnehmerInnen betrug mit Ende Mai 517.221 Personen (+174.084 im Vergleich zum Jahr 2019).

Die Anzahl der Arbeitslosen in Österreich nach internationaler Berechnung ist bis April 2020 mit 227.700 Personen nur leicht gestiegen (+12.600 Personen im Vergleich zum April 2019). Die Anzahl der Erwerbstätigen lag im April 2020 jedoch um 163.900 Personen unter dem Vorjahreswert. Es zeigt sich hier ein deutlicher Unterschied bei der Anwendung der internationalen Definition von Arbeitslosigkeit, da diese die aktive Suche nach Arbeit und die Bereitschaft, eine Arbeitsstelle innerhalb von zwei Wochen anzutreten, voraussetzt. Nicht erwerbstätige Personen, die zwar grundsätzlich gerne arbeiten würden aber nicht aktiv nach Arbeit suchen oder nicht kurzfristig mit einer Erwerbstätigkeit beginnen können, werden zur „stillen Reserve“ gezählt. Diese ist in der aktuellen Krise deutlich angestiegen und lag im April 2020 mit 221.000 Personen um 119.100 Personen über dem Vorjahresvergleichswert.

In der folgenden Grafik findet sich die Arbeitslosenquote nach internationaler Berechnung für ausgewählte Länder seit dem Jahr 2008. Sie beinhaltet auch die für die Jahre 2020 und 2021 erwarteten Werte gemäß Frühjahrsprognose der Europäischen Kommission vom 6. Mai 2020:

Zum erwarteten schwächeren Anstieg der Arbeitslosenquoten in Europa im Vergleich zu den USA tragen die Kurzarbeitsmodelle bei, die Personen in Beschäftigung halten, selbst wenn ihre Arbeitsleistung nicht oder nur in geringerem Ausmaß benötigt wird.

Kurzarbeit in Österreich und Deutschland

Kurzarbeitsmodelle sollen betriebsbedingte Kündigungen bei vorübergehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten vermeiden. Das österreichische Kurzarbeitsmodell wurde für die Anwendung während der COVID‑19‑Pandemie überarbeitet und großzügiger gestaltet. Für betroffene ArbeitnehmerInnen bedeutet dies die Aufrechterhaltung von Beschäftigung und im Vergleich zur Arbeitslosigkeit eine höhere Nettoersatzrate, in der Regel zwischen 80 % und 90 %.

In Deutschland erhalten ArbeitnehmerInnen während der Kurzarbeit zusätzlich zum Nettolohn für die geleisteten Stunden ein Kurzarbeitergeld. Dieses beträgt mindestens 60 % des ausgefallenen Nettolohns (oder 67 % für ArbeitnehmerInnen mit mindestens einem Kind). Das bedeutet für ArbeitnehmerInnen, dass das Nettoeinkommen von der tatsächlich geleisteten Arbeit während der Kurzarbeit abhängig ist. Das Nettoeinkommen während der Kurzarbeit kann dann insgesamt auch über 80 % des Nettoeinkommens vor Kurzarbeit liegen. Im Gegensatz dazu ist das Nettoeinkommen für ArbeitnehmerInnen in Österreich während der Kurzarbeit grundsätzlich unabhängig von den tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden.


Quellenauswahl

AMS, Spezialthema: Die Entwicklung des österreichischen Arbeitsmarktes ab Mitte April 2020 (Stand Mai 2020).

BMAFJ, Aktuelle Arbeitsmarktzahlen in Zusammenhang mit COVID-19. (wöchentlich aktualisiert)

Budgetdienst, Budgetanalyse zur UG 20-Arbeit (Mai 2020). (detailliertere Beschreibung der aktuellen Kurzarbeitsbeihilfen, siehe S. 12 ff)

Europäische Kommission, Frühjahrsprognose der Europäischen Kommission (6. Mai 2020).

Knittler, Die Definition macht die Zahl, Statistische Nachrichten 3/2017, 180-191.