Junge Menschen und Demokratie in Österreich 2019

Der von SORA im Auftrag des Parlaments erstellte Bericht “Junge Menschen und Demokratie in Österreich 2019” gibt einen aktuellen Überblick über ausgewählte Einstellungen junger Menschen zur Demokratie und über ihre Berührungspunkte mit dem demokratischen System. Im Rahmen der durchgeführten Sonderauswertung des Österreichischen Demokratie Monitors konnten erstmalig auch Veränderungen zum Vorjahr (2018) aufgezeigt werden.

Weiter heißt es in der Zusammenfassung des Berichts:

„Die 16- bis 26-Jährigen stehen der Demokratie als System nach wie vor sehr positiv gegenüber. Ein gutes Drittel von ihnen – dieser Anteil ist ebenso hoch wie in der restlichen Bevölkerung – äußert jedoch autoritäre bzw. illiberale Demokratievorstellungen und kann sich demnach entweder unter bestimmten Umständen einen „starken Führer“ vorstellen und/oder spricht sich dafür aus, dass in Österreich zumindest einer der folgenden Aspekte eingeschränkt wird: die Rechte der Opposition, die Unabhängigkeit der Gerichte, die Unabhängigkeit der Medien oder die Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Die überwiegende Mehrzahl der jungen Menschen fordert jedoch das genaue Gegenteil und möchte diese Rechte sogar noch ausbauen.

Sowohl unter den 16- bis 26-Jährigen als auch im Rest der Bevölkerung ist die Bewertung der aktuellen Ausgestaltung von Demokratie in Österreich von zwei gegenläufigen Entwicklungen geprägt. Diese spiegeln die innenpolitischen Ereignisse des Jahres 2019: Einerseits ist das Vertrauen in das politische System insgesamt gesunken, andererseits ist das Vertrauen in den Bundespräsidenten gestiegen. Von den jungen Menschen denkt beispielsweise aktuell nur noch jede/r Zweite, dass das politische System in Österreich gut funktioniert (vor rund einem Jahr waren es noch mehr als zwei Drittel).

Ihre Informationen über Politik beziehen die 16- bis 26-Jährigen nach wie vor stärker über journalistisch aufbereitete Quellen als aus den sozialen Medien. Letztere haben im Vergleich zum Vorjahr jedoch an Bedeutung gewonnen – allen voran Instagram. Dabei ist das Vertrauen in die politische Berichterstattung der sozialen Medien unter den jungen Menschen stärker ausgeprägt als im Rest der Bevölkerung. Gleichzeitig liegt es jedoch deutlich unter ihrem Vertrauen in die politische Berichterstattung in den ORF-Medien bzw. in den regionalen und überregionalen Tageszeitungen.

Junge Menschen, die sich häufiger über politische Themen informieren, diskutieren im Allgemeinen auch häufiger über Politik. Aktuelle politische Ereignisse führen jedoch dazu, dass Politik auch andere Gruppen erreicht und beschäftigt: So hat sich im Vorfeld der Nationalratswahl 2019 der Anteil an 16- bis 26-Jährigen, die weder mit ihrer Familie, noch mit FreundInnen oder KollegInnen über Politik diskutieren, mehr als halbiert. Ebenso haben im Jahr 2019  mehr junge Menschen eine Nationalratssitzung verfolgt als im Jahr zuvor.

Abgesehen von ihrer Teilnahme an Wahlen beteiligen sich die 16- bis 26- Jährigen besonders häufig im direkten Umfeld – in der Schule, der Arbeit oder der Nachbarschaft. Wesentlich häufiger als der Rest der Bevölkerung bringen die jungen Menschen ihre politischen Anliegen in Form von Demonstrationen zum Ausdruck – derzeit besonders am Herzen liegt ihnen dabei der Umwelt und Klimaschutz. Ihr politisches Engagement ist dabei häufiger in informellen Gruppen als in klassischen Vereinen, Parteien oder Interessensvertretungen organisiert.”

„Der Kontakt der jungen Menschen mit den demokratischen Institutionen und AkteurInnen fällt insgesamt positiv aus, bleibt jedoch ausbaufähig: Rund ein Drittel hat beispielsweise noch nie das Parlament besucht. Mit Blick auf ihre schulische politische Bildung kommt für die jungen Menschen allen voran die Vermittlung ihrer Rechte als BürgerInnen und Medienkompetenz zu kurz.

Schließlich hat die Erfahrung, in der gesellschaftlichen Hierarchie weiter unten zu stehen, weitreichende Folgen: Junge Menschen mit weniger sozioökomischen Ressourcen (rund ein Drittel) haben weniger Gelegenheit, mit demokratischen Institutionen und AkteurInnen in Kontakt zu kommen. In der Schule haben wiederum sehr viele von ihnen zu wenig über ihre Rechte als BürgerInnen und darüber, wie sie ihre Meinung einbringen können, gelernt. Dementsprechend partizipieren diese jungen Menschen auch seltener, obwohl ihnen zahlreiche politische Themen am Herzen liegen und sie davon berichten, selbst ungerecht behandelt zu werden.”


Literatur

Krammer, R. (2008): Kompetenzen durch Politische Bildung. Ein Kompetenz-Strukturmodell. In: Forum Politische Bildung (Hrsg). Kompetenzorientierte Politische Bildung. Informationen zur Politischen Bildung Bd. 29.


Mehr dazu

Den Link zum Demokratie Monitor finden Sie hier: Demokratie Monitor

Die Langfassung zum Download finden Sie hier: SORA Jugend Bericht 2019-barrierefrei (PDF, 416 KB)